Talavera: Schlüssel zu einem Verkehrssystem der Zukunft

Es geht um viel mehr und etwas ganz anderes als 900 Gratisparkplätze

Der Freistaat Bayern hat gemeinsam mit allen anderen Bundesländern und dem Bund beschlossen, die Nutzung des ÖPNV bis 2030 zu verdoppeln, um die fixierten Klimaziele erreichen zu können. Auch Städte und Landkreise stehen in der Pflicht.

Gewaltiger Nachholbedarf in Würzburg

Würzburg steht dabei vor besonders großen Herausforderungen, weil seit 33 Jahren (Inbetriebnahme der Strabalinie 5 Heuchelhof 1989) keine zukunftsweisenden Investitionen mehr in der Nahverkehr unternommen worden sind. In keiner vergleichbaren Stadt ist deswegen der Anteil des Autoverkehrs am Gesamtverkehr so stark gestiegen wie in Würzburg. Ohne Verringerung des Autoverkehrs ist Klimaschutz aber nicht zu erreichen.

Jahrhundertchance Regio-S-Bahn Mainfranken

Um an dieser Stelle weiterzukommen bietet die Bayerische Staatsregierung ausgewählten Regionen, darunter auch Würzburg, die schrittweise Einführung eines erheblich verbesserten Nahverkehrs auf der Schiene an; die Planungsarbeiten für dieses „Regio-S-Bahn Mainfranken“ genannte System sind bereits angelaufen. Seine Realisierung würde einen Quantensprung für die Nahverkehrsqualität in unserer Region bedeuten und die Grundlage für ein nachhaltiges, klima- und umweltfreundliches Verkehrssystem bilden.

Hilfe aus München ist an Bedingungen geknüpft

Die Bayerische Staatsregierung bindet die Umsetzung der Pläne aber an Voraussetzungen, die von den Kommunen (Stadt Würzburg und Landkreise) zu erbringen sind. Sie fordert ein „integriertes Gesamtverkehrskonzept“, bei dem alle Verkehrsmittel und Angebote gut aufeinander abgestimmt sind. Das betrifft die passgenau mit dem Bahnfahrplan abgestimmte Verknüpfung von Buslinien an den Stationen ebenso wie P+R-Angebote, aber auch tarifliche Angebote für öffentliche Verkehrsmittel wie Autoverkehr „auf Augenhöhe“. Dazu gehört ein konsequentes Parkraummanagement.

Konsequente Parkraumbewirtschaftung ist notwendig und längst beschlossen

Der Würzburger Stadtrat hat 2018 von Probst & Consorten, Dresden ein Gutachten zur Abstimmung von ÖPNV-Tarifen und Parkgebühren erarbeiten lassen und einstimmig beschlossen. Dazu gehört auch die Bewirtschaftung der Talavera. Der Gutachter hat empfohlen, sich bei der Umsetzung die bei diesem Thema sehr erfolgreich handelnde und Würzburg gut vergleichbare Stadt Innsbruck zum Vorbild zu nehmen. Es fehlt also nur noch die Umsetzung.

Brauchen wir vor der Bewirtschaftung der Talavera ÖPNV-Verbesserungen? Nein!

900 Autos mehr auf den Straßen sind ein Riesenproblem, 900 Menschen, die sich anders fortbewegen fallen hingegen gar nicht auf. Solange auf der Talavera gratis geparkt werden kann, strömen Autos aus allen Himmelsrichtungen und mitten durch die Stadt, gerade über die ohnehin schon meist belasteten Straßen dorthin. Der Nahverkehr ist aber heute schon so gut, dass er problemlos ein Vielfaches aller Talavera-Parker zusätzlich aufnehmen kann. Beispiel Karlstadt oder Retzbach-Zellingen: drei schnelle Zugverbindungen stündlich und ohne Stau, eine davon in nur 16 Minuten, lassen jeden Autofahrer alt aussehen. Und im Stadtgebiet sind bei rund 100.000 Fahrgästen / Tag bei der WSB 900 zusätzliche Umsteiger von der Talavera völlig problemlos aufzunehmen. Stündlich16, morgens bis 9:00 sogar 20 Strassenbahnfahrten verbinden den Hauptbahnhof mit der Innenstadt und bieten noch eine ganze Menge Platz für zusätzliche Fahrgäste, denn die Fahrgastzahlen aus Vor-Corona-Zeiten sind noch lange nicht wieder erreicht.

Wir haben schon viel zu lange immer wieder aufgeschoben statt mutig zu handeln

Wie lange soll noch damit gewartet werden, die ein nachhaltiges und zukunftssicheres Verkehrskonzept für die Region Würzburg umzusetzen? Klimaschutz und Verkehrschaos dulden keinen zusätzlichen Tag Aufschub. Wer das Parken auf der Talavera auch weiterhin gratis belassen möchte trägt damit dazu bei, den Aufbau der Regio-S-Bahn Mainfranken zu verhindern. Ein gewaltiger Schaden für Wirtschaftskraft und Attraktivität unserer Gesamtregion steht gegen den Anspruch von gerade einmal 1,2% der täglichen ca. 60.000 Einpendler nach Würzburg, auch weiterhin gratis parken zu können.

30 Jahre Stillstand: 41 Mio. € verloren, endlose Autoflut, ausgebluteter Nahverkehr

Stadtrat und Kreistag haben bereits 1995 einstimmig beschlossen, gemäß gemeinsamem Verkehrsentwicklungsplan gleichwertige Nutzungsbedingungen für PKW und Nahverkehr zu schaffen. Schon damals war ein Tarif für die Bewirtschaftung der Talavera festgelegt. Mit den Einnahmen sollte der Nahverkehr mit zwei neuen Straßenbahnstrecken und P+R-Anlagen attraktiv ausgebaut werden. Weder dies noch das abgestimmte Tarifkonzept für Auto und Nahverkehr wurden umgesetzt. Wäre man den damaligen Beschlüssen gefolgt, so hätte die Bewirtschaftung der Talavera bis heute ca. 41 Mio. € Einnahmen erbracht, womit ein attraktiver Nahverkehr problemlos machbar gewesen wäre. Würzburg könnte heute seine Verkehrsprobleme gelöst haben.

Ein Jahr Talavera-Bewirtschaftung = 10 Mio. € für Ausbau der Straba

Die hohen Jahresgewinne der WVV vergangener Jahrzehnte wurden anders verwendet und konnten von der WSB nicht für den Ausbau des ÖPNV verwendet werden. Die Bewirtschaftung der Talavera erbringt nun ca. 850.000 – 1.000.000 € im Jahr. Diese Einnahmen benötigt die WSB dringend für einen zukunftsfähigen ÖPNV; sie müssen im WVV-Konzern verbleiben und zweckgebunden dafür verwendet werden. Nur so wird es möglich, einen attraktiven ÖPNV aufzubauen. Der Straba-Ausbau wird zu 90% gefördert; damit werden aus den Einnahmen von 10 Jahren Talavera-Bewirtschaftung 100 Mio. € Investitionsvolumen, mehr als der Bau einer kompletten neuen Straba-Strecke erfordert!

Die Menschen entscheiden durch den Geldbeutel

Die Kosten sind das wichtigste Entscheidungskriterium der Menschen bei der Verkehrsmittelwahl. Und wenn der Zug von Veitshöchheim nur 7 Minuten nach Würzburg braucht, so fährt man doch lieber mit dem Auto zur Talavera, morgens 30 Minuten Stau inbegriffen, denn das Parken ist umsonst. Der ÖPNV kann noch so gut sein, solange das Auto -zumindest gefühlt- billiger erscheint, wird es bei der Nutzung bevorzugt. Weiterhin gratis auf der Talavera parken kommt einer Einladung gleich, unbedingt auch weiterhin mit dem Auto und keinesfalls mit Zug oder Bus nach Würzburg zu fahren.

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