Seilbahnen als ÖPNV in Würzburg?

Seilbahn Berlin

Seilbahnen können durchaus Elemente eines zeitgemäßen Großstadtverkehrs sein. Das gilt auch für Würzburg. Man sollte allerdings vorsichtig mit Spekulationen über mögliche Einsatzstrecken sein, bevor man sich die Rahmenbedingungen, unter denen Seilbahnen nutzbringend eingesetzt werden können, nicht vor Augen geführt hat. Diese sind sehr einschränkend und die wichtigsten lauten:

  • Seilbahntrassen müssen zwingend geradeaus geführt werden, es ist nicht möglich, Kurven zu folgen; allenfalls an Zwischenhaltestellen (s.u.) kann die Richtung geändert werden.
  • Zwischenhaltestellen anzulegen ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Die Kabinen können an Zwischenhaltestellen nicht anhalten, sondern nur „heruntergebremst“ werden. Ein- und Aussteigen findet dann zwangsläufig statt, obwohl sich die Kabinen weiterhin -wenn auch sehr langsam- bewegen. Entweder müssen die Seile von der Streckenhöhe ausgehend an einer Haltestelle zu Boden geführt werden und danach wieder ansteigen. Das führt zu großen Flächen am Boden, die ebenso nicht anders genutzt werden können als wenn dort Busse oder Straßenbahnen fahren würden. Oder die Haltestelle muss auf Höhe der Seilführung angelegt werden, womit sie nur mit Aufzügen und Treppen erreichbar werden. Dabei entstehen quasi „Bahnhöfe in der Luft“. Seilbahnen sind deswegen vor allem als Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ohne oder mit maximal zwei Zwischenhaltestellen geeignet;
  • Seilbahnen wirklich barrierefrei zu gestalten ist so gut wie unmöglich. Wer nicht wirklich stand- und gehsicher ist, kann Seilbahnen kaum benutzen;
  • bei bestimmten Witterungssituationen (Wind, Gewitter) können Seilbahnen nicht verkehren.
  • speziell für Würzburg ist zu berücksichtigen: neben der Straßenbahn und dem Dieselbus, zukünftig auch Elektrobussen, wären Seilbahnen eine weitere Technologie, für die spezialisierte Unterhaltsbereiche mit dafür qualifiziertem Personal und Spezialausrüstung zum Strecken- und Fahrzeugunterhalt geschaffen werden müssten. Das würde den Würzburger Nahverkehr teurer und zwangsläufig ineffizienter machen!

Die als Beispiel angeführte Planung für den Frankfurter Ring in München würde ihre Entsprechung in Würzburg vielleicht in einer Seilbahn finden, die von der Lindleinsmühle entlang der „Stromtrasse“ ins Industriegebiet Nord führen würde. Konkret sollen die Seile für die Kabinen in München auf bis zu 60 m hohen Betonträgermasten geführt werden, vor allem zum Zweck des Sichtschutzes und der Privatsphäre von Anwohnern. Das könnte man sich vielleicht für ein Gewerbegebiet am Stadtrand vorstellen, nicht aber für den unter Ensembleschutz stehenden Altstadtbereich einer fränkischen Barockstadt. Es würde ja auch niemand auf den Gedanken kommen, auf dem Bahnhofsvorplatz einen Windpark aufzubauen…..

Würzburg benötigt für ein zukunftssicheres Verkehrssystem mit hoher Dringlichkeit zuallererst zwei Straßenbahnstrecken (mit Priorität die Linie 6 und dann die Anbindung des Würzburger Nordens mit Lindleinsmühle, Lengfeld und Versbach). Diese beiden Achsen sollen großflächige Stadtteile erschließen, benötigen also viele Zwischenhaltestellen und sind wegen zahlreicher nicht zu vermeidender Kurven als Einsatzbereiche für Seilbahnen vollkommen ungeeignet. Würde man eine Seilbahn aus dem Bereich B 19 zur Innenstadt führen, so könnte diese keinen einzigen Bus ersetzen, es wäre rein zusätzlicher Aufwand, der das ohnehin schon hohe Defizit der WSB weiter anschwellen lassen würde.

Im Rahmen der Erarbeitung des Green CityPlans wurde erstmals für Würzburg die Bevölkerung auf breiter Ebene an der Erstellung der Inhalte und Prioritäten beteiligt. Dabei wurde auch das Thema „städtische Seilbahnen“ behandelt, fand jedoch keine Unterstützung. Als das mit großem Abstand am häufigsten von den Würzburgerinnen und Würzburgern gewünschte Ziel hat sich der Ausbau des Straßenbahnnetzes herausgestellt. Der weit überwiegende Teil der Würzburger Politik hat bekräftigt, dem Folge leisten zu wollen. Daran sollte nicht gerüttelt werden.

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