Plattnerstraße: Einzelhandel droht sich selbst zu schaden

Die Plattnerstraße ist heute das Gegenteil einer attraktiven Innenstadtstraße. Sie ist geprägt von einem ununterbrochenem Parkplatzsuchverkehr, Hunderte von PKW steuern die gute Handvoll Parkplätze in der Hoffnung an, einen davon zu ergattern und kommen fast alle erfolglos zurück – manche mehrmals hintereinander. Der Zugang zum Domschatz spottet jeder Beschreibung. Es stinkt nach Abgasen, die Aufenthaltsqualität ist miserabel, die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und wer dort zu Fuß durch muss, beeilt sich, so rasch wie möglich die rettenden Straßen der Fußgängerzone zu erreichen.

Teile des Einzelhandels verstehen noch immer nicht, dass diese kleine Handvoll Parkplätze nicht Lösung, sondern Ursache der dortigen Probleme ist. Wesentlich mehr Menschen als ihn verursachen fühlen sich vom Parkplatzsuchverkehr gestört und suchen zum Einkauf andere Bereiche auf. Für die dort Wohnenden sind die Zustände unzumutbar, was Lärm und Luftverschmutzung angeht. Fußgänger müssen sich an wild parkenden Autos vorbei quetschen, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen haben oft keine Chance durchzukommen. Zuzustimmen ist allerdings der Ansicht, dass die Stadtverwaltung durch ihr jahrzehntelanges Versäumnis, an den Stadträndern gut an die Straßenbahn angebundene Park-and-Ride-Plätze anzulegen, zu dieser Misere maßgeblich beigetragen hat. Es ist nach wie vor viel zu attraktiv, mit dem Auto bis in die innersten Bereiche des Domquartiers einfahren zu können. Zu allem Überfluss hat der Sommer eindrucksvoll gezeigt, was für eine Qual es ist, sich ohne schützendes Grün von Bäumen über die Hitze reflektierende Asphaltflächen und an noch höhere Temperaturen abstrahlenden Blechkarossen vorbei zu bewegen. „Attraktive Innenstadt“ geht anders!

Heilbronn Kaiserstraße
Die Kaiserstraße im Zentrum der Heilbronner Fußgängerzone wurde, obwohl sie auch nicht breiter ist als ihre Würzburger Schwester, trotzdem mit Baumreihen beiderseits der Straßenbahngleise ausgestattet. Fotos: Thomas Naumann/Agenda 21

Mit übergroßem Konsens hat der Würzburger Stadtrat das Handlungskonzept „GreenCityPlan“ für eine nachhaltige, attraktive Stadt der Zukunft verabschiedet. Dafür gebührt ihm großes Lob! Wenn aber schon bei der ersten konkreten Entscheidung wieder gegen dessen Ziele verstoßen wird, dann müssen sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Würzburg zu Recht für dumm verkauft fühlen. Ist schon wieder vergessen, mit welcher eindrucksvollen Mehrheit sich Würzburg am Kardinal-Faulhaber-Platz für eine zukunftsorientierte Stadtgestaltung entschieden hat?

So wird das nichts mit der attraktiven Einkaufsstadt der Zukunft. Wenn Einzelhandel gerade auch kleinerer Geschäfte unter den Bedingungen des Klimawandels in der Innenstadt Zukunft haben soll, dann bedarf es massiver Begrünung und zahlreicher Trink- und Erfrischungsbrunnen. Leider sind die erst realisierten Einkaufsstraßen Kaiserstraße und Eichhornstraße alles andere als nachhaltig-attraktive Umgestaltungen.

Kaiserstraße
Die Kaiserstraße präsentiert sich als Steinwüste, in der man schutzlos der Sonne ausgeliefert ist, obwohl der Umbau DIE Gelegenheit gewesen wäre, zugleich eine doppelte Baumreihe zu setzen. Das hätte Flanieren unter schützendem Blätterdach ermöglicht und die Kaiserstraße in eine der attraktivsten Straßen der Innenstadt verwandelt.

Diese Chance ist vertan, obwohl dort in Zukunft mit Temperaturen von weit über 50 Grad in der Sonne zu rechnen ist. Große Bevölkerungsteile, vor allem Senioren, werden sich dort überhaupt nicht mehr aufhalten können ohne sich akuten gesundheitlichen Risiken auszusetzen.

Eichhornstraße
Auch in der Eichhornstraße wäre ein begehbarer Brunnen, umgeben von Freisitzflächen als Oase der Ruhe und Ersatz für die von den Würzburgern noch immer schmerzlich vermissten Gartenflächen des Eiscafes „Venezia“ für alle von großem Nutzen gewesen (Zum Vergleich Bild unten: Coburg, Albertsplatz).
Coburg, Albertsplatz

Unser Appell an den Stadtrat: noch haben wir die Chance, in der Plattnerstraße die Zukunft zu gestalten. Ein guter Kompromiss könnte sein, in einer ersten Stufe auf jeden Fall die geplanten Bäume zu setzen, eine „verkehrsberuhigte Zone“ auszuweisen und den Straßenraum niveaugleich und mit attraktivem Plattenbelag zu gestalten.

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