Neuer Fahrplan

Ein besserer Strabafahrplan für Würzburg

Wir haben gesehen, dass die Nachfrage im Würzburger ÖPNV seit Jahren zurück geht und dass zugleich die Verluste im Langzeittrend kontinuierlich zunehmen. Das ist auf Dauer nicht finanzierbar.
Seit 15 Jahren versucht man diesen Abwärtsstrudel mit Kürzungen des Angebots und jährlich steigenden Fahrpreisen in den Griff zu bekommen – vergeblich. So hat die WSB in diesem Zeitraum 41 Millionen Fahrten und ca. 26-27 Mio. € Einnahmen verloren. So darf es nicht weitergehen.
Hier soll gezeigt werden, dass ohne Mehraufwand auch ein sehr viel besseres Angebot möglich wäre. Das wäre sein Geld dann wieder wert, die verlorenen Fahrgäste könnten zurückgewonnen werden und das Defizit würde sinken.
Am Dominikanerplatz gab es seit 1973 einen Zentralhalt als Umsteigeknoten. Die zugleich eingeführte Linie 4 Zellerau – Sanderau war von Anfang an ein Renner und brachte 1,3 Mio. neue Fahrgäste im Jahr.
2001 wurde der Zentralhalt in die Juliuspromenade verlegt; seitdem fährt die Linie 4 nur 25 m entfernt ohne Halt vorbei – und die Straba befördert seit 2002 jährlich exakt wieder 1,2 Mio. Fahrgäste weniger.

Das Problem

Zwischen Bahnhof und Sanderring fahren stündlich 16 Strabas – immer zwei im „Päckchen“ hintereinander. Dann ist Pause, bis wieder ein „Päckchen“ kommt. Das ist so, weil nach der Logik unseres Fahrplans immer zwei Linien zugleich fahren. Umsteigen klappt trotzdem nicht, weil die Haltestellen zu kurz für zwei Wagen sind. Und wo es klappen würde, ist es nicht vorgesehen.
Das ist für die Fahrgäste wie für die WSB ärgerlich, denn nun muss der hintere Wagen immer hinter dem ersten „hertrödeln“ und kann nicht zur Haltestelle fahren, bis der vordere sie verlassen hat. Je länger keine Straba kommt, umso mehr Menschen warten, umso länger verzögert sich der ganze Betrieb. Das ist teuer für die WSB und unattraktiv für die Fahrgäste. Gespart wurde mit dem „Päckchenfahren“ nichts, aber die gesamte Fahrplanstruktur wurde zerstört.

Warum fehlen der WSB seit 2001 die Einnahmen für 41 Mio. Fahrten?
Weil die Fahrgäste nicht mitmachen, wenn die Angebote immer unattraktiver werden: Seit 2002 nutzen mehrere Millionen Fahrgäste jährlich nicht mehr die Straßenbahnen, sondern wieder den PKW.
Beispiel Juliusspital: die Straba aus der Sanderau kommt an, die in die Zellerau fährt Sekunden früher ab. Und die Linie 4 fährt ohne Halt am Juliusspital durch. Fahrplanmäßig! Fahrgäste müssen laufen oder 15 min warten, wo es bis 2001 alle 6 Minuten eine Verbindung gab.

In der folgenden Abbildung sind die Abfahrstzeiten der einzelnen Straßenbahnlinien (Minuten jeder Stunde, werktags nach 9:00 Uhr) an der Zentralhaltestelle Juliuspromenade dargestellt. Die Pfeile stehen für die möglichen Umsteigeverbindungen und die nötige Wartezeit. Wer zum Beispiel von der Sanderau in die Zellerau möchte, kann ohne Umsteigen mit der Linie 4 fahren (alle 15 Minuten) oder mit der Linie 1 zur Juliuspromenade und muss dort 13 Minuten warten, bis eine 2 Richtung Zellerau kommt. Währenddessen sieht man die nächste 4 an sich vorbeifahren…

Fahrplansituuation heute

Wir müssen die Fahrgäste zurückgewinnen!

Vor 2001 konnte man an mehreren Haltestellen in der Innenstadt zuverlässig umsteigen. Heute ist das Angebot mehrfach gespalten; wo man früher alle 6 min eine sichere Verbindung hatte kann man heute nur noch einmal alle Viertelstunde fahren (z.B. Sanderau – Zellerau oder Hbf.) In der Relation Zellerau – Sanderau muss man zudem in den Schwachlastzeiten eine „Stadtrundfahrt“ via Hauptbahnhof über sich ergehen lassen, die dazu geführt hat, dass man hier oft zu Fuß (!) schneller ans Ziel kommt.
Fahrgäste reagieren sehr sensibel: schlechteres Angebot – weniger Nachfrage, besseres Angebot – mehr Nachfrage. Ein besseres Angebot möglichst ohne zusätzlichen Aufwand: Wie kann das – wieder – das gelingen?

Neues Netz, erster Schritt

Am Zentralhalt Juliusspital muss zuverlässiges Umsteigen zwischen allen Strabas und den Frauenlandbussen gesichert sein. Dazu müssen zunächst einmal die Straßenbahnen der Linie 4, die heute ohne Halt an der Zentralhaltestelle vorbei fahren, dort eine Haltestelle bekommen.
Diese kann mit geringem Aufwand westlich des Gleisdreiecks zwischen diesem und der Einmündung Koellikerstraße gebaut werden. Der vorhandene Rettungsweg im Zug der Juliuspromenade bleibt dabei unangetastet.
Der dort vorhandene Platz reicht für bis zu 37m lange Wagen aus; dies muss im Lastenheft für die Ausschreibung neuer Straßenbahnen als maximale Fahrzeuglänge so berücksichtigt werden.

Neue Haltestelle Linie 4

Wenn lediglich die Linie 4 wieder am Juliusspital hält entsteht zwar ein besseres, aber noch bei weitem nicht so gutes Angebot wie vor 2001: Immer noch sind die meisten Umsteigeverbindungen mit mehr als 5 Minuten Wartezeit verbunden.

Neues Netz erster Schritt

Das „Päckchenfahren“ und die schlechte Anschlusssituation lassen sich nur auf zwei Wegen auflösen:
Wenn man die bestehenden Linien beibehalten möchte: durch Taktverschiebungen, wodurch aber auf den einzelnen Strecken kein einheitlicher Zugabstand mehr leistbar wäre, sondern deutliche „Hinketakte“ mit Zugfolgen von z.B. 5/10/5/10 min hinzunehmen wären; keine gute Lösung!
Wenn man Direkt- bzw. sichere Umsteigeverbindungen alle 7,5 min erreichen möchte, muss man das heutige Netz mit Direktverbindungen alle 15 min und ohne Umsteigeverbindungen etwas „umbauen“.

Neues Netz, zweiter Schritt

In der Innenstadt, wo sehr viele Menschen fahren wollen, werden die Fahrpläne der Linien so versetzt, dass die Wagen in etwa gleichmäßigen Abständen fahren: alle 3-4 min eine Straba anstatt alle 7-8 min zwei Strabas „im Päckchen“ unmittelbar hintereinander – der Aufwand bleibt gleich, aber das „gefühlte“ Fahrplanangebot verdoppelt sich, die Wartezeit halbiert sich. Und die Bahnen stauen sich nicht mehr an den Haltestellen, sie fahren statt zu schleichen und herumzustehen. Dies gelingt durch einen „Endstellentausch“: Nach Grombühl fahren die Linien 3 und 5, die Linie 1 verkehrt nur noch zwischen Haupbahnhof und Sanderau.

Neues Netz zweiter Schritt

Neues Netz, dritter Schritt

Im zweiten Schritt konnte schon Einiges verbessert werden. Die Menge der roten Pfeile, die auf schlechte Verhältnisse hinweisen, hat abgenommen, die Zahl der grünen Pfeile und damit der guten Verbindungen hat zugenommen. Das konnte erreicht werden, ohne mehr Aufwand zu erzeugen.
Aber ein Baustein, die Relation Sanderau – Zellerau, lässt noch zu wünschen übrig. Wenn man den heutigen Fahrplanabstand in Zellerau und Sanderau von 7 bzw. 8 min. um je eine Minute auf einen Abstand von dann 6 bzw. 9 min. verschiebt, lässt sich dieses Problem lösen. Davon merken die Fahrgäste so gut wie nichts, aber es ist der Schlüssel zu einem wirklichen Durchbruch und zu einer echten Nutzensoptimierung.

Neues Netz dritter Schritt


Gleich viele Direktverbindungen, aber beinahe fünf Mal so viele Umsteigeverbindungen:
(Anzahl Verbindungen pro Stunde werktags nach 9:00 Uhr)

Neues Netz Verbindungsbilanz

Angebotsverbesserungen im Innenstadtbereich:
Das Angebot ist im „Neuen Netz“ fahrgastfreundlich verteilt, es wird keinen „Strabastau“ mehr vor den Haltestellen geben; ein „gefühlt verdoppeltes“ Angebot entsteht ohne zusätzlichen Aufwand.

Frequenz Innenstadtstrecke

Zwischenergebnis „Neues Netz“ Tagesfahrplan ab ca. 9:00

Gegenwärtig wird in Würzburg ein rein betrieblich optimiertes Angebot gefahren, das die Belange der Fahrgäste nicht ausreichend einbezieht; deswegen hat die WSB in den vergangenen 13 Jahren über 40 Mio. Fahrten und die damit verbundenen Einnahmen aus Fahrscheinverkauf in Höhe von (nach VDV-Durchschnittswerten für Erlöse/Fahrt geschätzt) ca. 26 Mio. € nicht erzielt.
Das „Neue Netz“ kann nachweisen, dass eine geringfügige Neustrukturierung des Angebots erheblichen Nutzen in Form von fast fünfmal mehr guten Umsteigeverbindungen bei gleich bleibender Zahl von Direktverbindungen bringt. Dieser Nutzenszuwachs kann ohne Mehraufwand erzeugt werden. Die zu erwartenden Mehreinnahmen aus Fahrscheinverkauf durch (wieder) erhöhte Nachfrage verbessern zu 100% das Wirtschaftsergebnis der WSB.

Wenn Sie sich auch dafür interessieren, welche Vorteile unser „neues Netz“ in der Hauptverkehrszeit bringt und wie die neue Linie 6 darin integriert werden kann, können Sie hier unsere ausführliche Prüsentation dazu herunterladen: