Ottostraße

In keinem anderen Abschnitt der Streckenplanung soll so massiv in den Bestand eingegriffen werden wie in der Ottostraße. Die Stadtbild prägende Allee soll auf der westlichen Straßenseite ersatzlos verschwinden, ebenso wie die heute vorhandenen Radwege. Hier ist u.E. auch unter Anerkenntnis eines notwendigen Vorrangs der Straßenbahn kein akzeptabler Interessenausgleich gegeben. Das Straßenprofil der Ottostraße ist sehr eng und für die Aufnahme einer zusätzlichen Straßenbahntrasse auf vollständig eigenem Gleiskörper nicht geeignet; diesen fordert auch niemand, auch nicht, um den (erwünschten) Vorrang der Straßenbahn zu schaffen. Vielmehr lässt die BoStrab (§ 15 Abs.6) bewusst offen, auf welchem Weg der geforderte störungsfreie Verkehrsablauf erreicht werden soll. Es ist Stand der Technik, dass Vorrang für die Straßenbahn oft auch über intelligente Lichtsignalanlagenschaltung erreicht werden kann. Durch die oft sehr hohen Folgekosten, die die Anlage eines eigenen Gleiskörpers mit sich bringen kann, sind eigene Gleiskörper im Einzelfall ggf. trotz hoher Fördermittel oft nicht einmal wirtschaftlich gegenüber straßenbündigen Gleisen im Vorteil.

Wir schlagen statt eines besonderen Bahnkörpers in beiden Fahrtrichtungen einen solchen lediglich stadtauswärts vor. Das stadteinwärts führende Gleis soll dagegen straßenbündig geführt werden. Damit wird es möglich, auch zukünftig in der Ottostraße eine in gleicher Weise das Stadtbild prägende Allee zu pflanzen bzw. zu erhalten.
 
Wie könnte diese Alternative aussehen? Die Haltestelle Geschwister-Scholl-Platz und die weitere Gleisführung durch den Ringpark und in Richtung Sieboldstraße entsprechen den von der WSB vorgelegten Plänen; die stadtauswärts führende Gleislage wird auf eigenem Bahnkörper, jedoch in der Lage des in den WSB-Plänen stadteinwärts führenden Gleises geführt. Damit können westliche Alleereihe, Geh- und Radweg stadtauswärts vollständig erhalten bleiben. Das stadteinwärts führende Gleis wird nach der Haltestelle Geschwister-Scholl-Platz Signal gesichert in die Ottostraße geführt. Dort verläuft es straßenbündig und ab Beginn der Linksabbiegespur in deren Verlauf und schwenkt im Zuge der Kreuzung mit der Neubaustraße wieder in die Gleislage gemäß WSB-Planung ein.

Ottostraße

Situation Knoten Neubaustraße / Balthasar-Neumann-Promenade / Ottostraße: Vorschlag der Agenda21 zur Gleisführung in gelber Farbe

Ottostraße

Situation Ottostraße / Haltestelle Ottostraße mit Verschwenkung des stadteinwärts führenden Gleises aus der Haltestelle in straßenbündige Lage: Vorschlag der Agenda21 zur Gleisführung in gelber Farbe

Der im Erläuterungsbericht zuungunsten einer straßenbündigen Gleisführung benannte Behinderungseffekt, den haltende Straßenbahnen an den dort vorgesehenen überfahrbaren Haltestellenkaps auf den Verkehrsfluss ausüben, ist mit unserer Alternativplanung vollständig vermieden; der Fahrgastwechsel findet außerhalb des fließenden Verkehrs statt. Der stadtauswärts orientierte Verkehr (MIV, Fahrrad, Fußgänger und Straßenbahn) ist bei unserer Alternative entweder genauso gut (Straßenbahn, MIV) geführt wie beim WSB-Vorschlag oder deutlich besser (Fußgänger, Fahrrad). Beim WSB-Vorschlag ist zu erwarten, dass die Radfahrer auf dem Gleiskörper fahren werden, weil ihre Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden (Beispiel: Friedrich-Spee-Straße und Sanderstraße). Die Lichtsignal gesteuerte Ein- und Ausführung der Straßenbahn in die / aus der stadteinwärts führenden MIV-Spur kann mit intelligenten Abläufen so gestaltet werden, dass sowohl Straßenbahn als auch MIV die Ottostraße ohne Nachteile durchfahren können. Ähnliche Situationen werden z.B. in Nürnberg, Gera, Leipzig, Erfurt und Halle / Saale problemlos beherrscht. Die Verschwenkung des stadteinwärts führenden Gleises in die Straße führt zu geringen Eingriffen in den Verkehrsfluss, die Verschwenkung zurück zum eigenen Gleiskörper an der Neubaustraße ist vom Verkehrsablauf her sogar günstiger zu werten als bei der WSB-Variante.

Eine sehr ähnliche Situation ist in der Theaterstraße bereits im Vorfeld zugunsten eines eigenen Gleiskörpers nur in einer Fahrtrichtung allseits befriedigend geklärt worden. Die im Erläuterungsbericht (S.40) aufgeführte Begründung für die Entscheidung zugunsten der dortigen Vorzugsvariante wurde offenbar ohne ernsthafte Prüfung einer Alternative mit partiellem Mischverkehr formuliert wie sie in der Theaterstraße Bestandteil der Planfeststellungsunterlagen ist. Es scheint uns so zu sein, dass die Vorzugslösung in der Ottostraße vor allem deswegen durch die WSB so stark protegiert wird, weil sie etwas höhere Fördermittelanteile verspricht als eine Lösung, die mehr Respekt vor Anwohnern, Stadtbild und allen anderen Verkehrsteilnehmern zeigt.