Linie 6: Ein maßgeschneidertes Angebot

Die Nachfrage ist auf den einzelnen Teilabschnitten der neuen Strecke sehr unterschiedlich:

  • Frauenland: Der Würzburger Stadtteil mit den meisten Einwohnern (nach der Innenstadt), vielen Senioren, aber zunehmend auch jungen Familien. Hier muss das ganze Jahr über ein dichter Takt angeboten werden. Bis zum Wittelsbacherplatz ist mit sehr starker Nachfrage über das ganze Jahr hinweg zu rechnen.
  • Universität: Mittlerweile ist praktisch jeder vierte Würzburger ein Student. Das hervorragende Angebot des Semestertickets sorgt dafür, dass die Studenten den ÖPNV rege benutzen. Doch es gibt extreme Unterschiede zwischen der Zeit der Semester und den vorlesungsfreien Zeiten. Hier kann die Nachfrage um die Hälfte schwanken – Grund genug, ab dem Wittelsbacherplatz einen anderen Fahrplan vorzusehen: hier muss in den Semesterferien nur jeder zweite Wagen weiterfahren.
  • Hubland: Der neue Stadtteil Hubland wird – gerade auch wegen des Straßenbahnanschlusses – ein attraktiver und begehrter Würzburger Stadtteil werden. Doch bis dort so viele Menschen wohnen, dass z.B. alle zehn Minuten eine Straßenbahn verkehren muss, werden einige Jahre ins Land gehen. Hier wäre es auf Jahre Verschwendung, mehr als ein „Einsteigerangebot“ zu fahren.

Trotz dieser Nachfrageunterschiede möchte die WSB eine starre Bedienung der Gesamtstrecke:

Starre Bedienung1

Ale Züge müssen 6,1 km bis zur Endstelle fahren. Auch in den Semesterferien (5 Monate / Jahr), wenn dichter Takt über die halbe Strecke bis Wittelsbacherplatz völlig ausreicht. So summieren sich Jahr für Jahr vermeidbare Betriebskosten von über 500.000 €.

Starre Bedienung2

„Ganz oder gar nicht“: Fehlen Zwischenwenden, muss durchgefahren werden zur Endhaltestelle – auch, wenn nur bis zur halben Strecke Bedarf ist. Oder man dünnt die ganze Strecke aus, auch wenn bis zur halben Strecke viel Nachfrage gegeben ist… Was man auch tut, es ist auf jeden Fall verkehrt und kostet unnötig Geld!

Die Allianz „Pro straßenbahn“ schlägt deshalb eine dem Bedarf angepasste Bedienung vor:

Angepasste Bedienung

Anders als in der Planung der WSB sollten die Bahnen genau bis dorthin fahren, wo sie gebraucht werden: Wittelsbacherplatz, Universität oder Hubland. Semester oder Semesterferien, Werktag oder Wochenende. Und die Bedienung des Hublands sollte man über Jahre mit zunehmender Bebauung „hochfahren“. So spart man über 125.000 Zugkilometer im Jahr. Es ist einfach möglich, ein „Angebot a la carte“ zu realisieren – man muss nur an den betreffenden Haltestellen die Möglichkeiten schaffen, dass Fahrzeuge wenden können: im Bereich des Wittelsbacherplatzes und im Bereich der Universität am Hubland.

Wendemöglichkeit Franz-Oberthür-Schule

Am Berufsbildungszentrum wäre der geeignete Platz für eine Wendeschleife sowohl aus verkehrlicher als auch aus betrieblicher Sicht. Das Grundstück befindet sich im Besitz der Stadt Würzburg.

Berufsschulschleife1

Die Wendeschleife bietet Platz für zwei ca. 40 m lange Züge. Der Halt stadtauswärts kann als überfahrbares Kap angelegt werden, der Halt stadteinwärts direkt am Gehweg. Das Kap soll aus beiden Fahrtrichtungen mit Lichtsignalanlage für den Fahrgastwechsel gesichert werden. Die Zufahrt zum Schulgelände wird Signal gesichert oder -falls machbar- geringfügig westlich verschoben und so aus dem Bereich der Wendeschleife verlegt. Da die Richtungshaltestellen gegeneinander versetzt liegen, kann der zur Absenkung der Längsneigung auf 3% nötige Höhenausgleich von 75 cm je Richtung getrennt für das stadteinwärts führende Gleis plus Gehweg / Bahnsteig und das stadtauswärts führende Gleis plus Fahrbahn der Straße vorgenommen werden. Da die Haltestelle stadtauswärts geringfügig im Außenbogen liegt, könnte dort ggf. eine Zugabfertigungshilfe (Spiegel / Monitor) erforderlich werden.

Berufsschulschleife2

Funktional und baulich würde sich diese Haltestelle ähnlich darstellen wie dieses Beispiel aus Leipzig: Gleiskörper in Seitenlage und Straße mit je einer Richtungsfahrbahn, die beide über das Haltestellenkap geführt werden; LSA-Sicherung an beiden Seiten:

Leipzig Kurt-Kresse-Str.

Wendemöglichkeit Universität mit Anbindung der Fachhochschule

Die ohnedies betrieblich und verkehrlich unverzichtbare Zwischenwende Universität kann mit einer Bedienung der FH im Straßenbahnkonzept kombiniert werden. Die Straßenbahn könnte eine optimale Verbindung der beiden FH-Standorte „von Haustüre zu Haustüre“ schaffen; der notwendige Fahrzeugbedarf ist ohne Mehraufwand abgedeckt, wenn man die Standzeit der an der Universität wendenden Fahrzeuge nutzt. Wenn man die Zwischenwende Universität mit einer kurzen Verlängerung entlang der Straße „Am Hubland“ nach Süden verbindet, ist damit zugleich die FH erschlossen. Der Busverkehr dorthin wird durch eine bessere und kostengünstigere Straßenbahnanbindung ersetzt.

Schleife FH

Wenn man eine Wendeschleife an der Universität baut, dann gleich mit Andienung der FH, denn nur damit spart man Busverkehr ein und der Aufwand für die Verlängerung selbst ist mit 400 m Doppelgleis gering. Durch die eingesparten Bus- und Straßenbahnkilometer amortisiert sich die Schleife rasch.

Fahrplan für Frauenland, Universität und Hubland

Durch die Zwischenwenden ergibt sich ein für Teilstrecken abgestuftes Bedienungskonzept. Jede Fahrt im Fahrplan ist mit einer Farbe hinterlegt. Folgt man dieser Farbe durch die Grafik, so werden die Fahrzeugumläufe deutlich. Es ist ein Fahrplan, der so effizient wie möglich die wertvollen, zunächst wenigen 40-m-Züge einsetzt und so das Optimum für die Menschen und im Sinne der Wirtschaftlichkeit herausholt.

Bildfahrpläne

All diese Einsparungen führen dazu, dass ein für die Fahrgäste wesentlich attraktiverer Fahrplan mit deutlich geringerem Aufwand angeboten werden kann: bis zu 750.000.- € jährlich können so gespart werden – noch nicht gerechnet die zusätzlichen Einnahmen aus Fahrscheinverkauf, die durch das attraktivere Angebot entstehen.
Die neue Straßenbahn muss besser als der heutige Busbetrieb sein, sonst brauchen wir sie nicht. Besser wird sie aber nur sein, wenn sie mit Zwischenwenden den verkehrlichen Anforderungen gerecht werden und zugleich wirtschaftlich arbeiten kann.