Greinbergknoten entlasten – ja, aber nur mit einem schlüssigem Gesamtkonzept

In Folge des Bürgerentscheids zum Kardinal-Faulhaber-Platz war sich die Politik einig, dass die Würzburger Bürgerschaft eine andere, nachhaltige und alle Verkehrsträger gleichermaßen berücksichtigende Verkehrspolitik eingefordert hat und diese auch bekommen sollte. Die sicherlich schon länger in Planung befindlichen Überlegungen zur Entlastung des Greinbergknotens berücksichtigen dies leider nicht. Der Greinbergknoten soll entlastet werden ohne ausreichende Berücksichtigung anderer Belange als jene des Autoverkehrs.

So sehen die Fakten am Europastern aus: das Baureferat hat in jahrelanger Vorarbeit eine Freihaltetrasse für eine Straßenbahnführung vom Berliner Ring in Richtung Lindleinsmühle, Versbach und Lengfeld gesichert. Dafür wurden entlang der Schweinfurter Straße die Flächen im Detail bei allen Planungen und Baumaßnahmen mit den dortigen Investoren abgestimmt und gesichert; wenn die Straßenbahn gebaut wird, ist vertraglich bereits abgesichert, wo welche Flächen dann abgetreten werden müssen. Diese Freihaltetrasse reicht bis zur Bahnunterführung unmittelbar vor dem Europastern. Die nächste Etappe folgt dann im großen Bereich der Konversionsflächen „Faulenberg-Areal“, beginnend an der Nürnberger Straße Matthias-Thoma-Straße, wo die Trasse dann durchgehend in Richtung Lindleinsmühle, Versbach und Lengfeld gesichert und im Rahmenplan Faulenberg bindend enthalten ist. Besonderer Pluspunkt: genau am Schnittpunkt der Bundesstraßen B8 und B 19, an DER optimalen Stelle für diesen Zweck in Würzburg überhaupt, ist eine sehr große Fläche für den Bau einer Park & Ride-Anlage mit Straßenbahnanschluss freigehalten und für diesen Zweck gewidmet.

Querung Aumühle

Bild: © 2017 Google; Kartendaten: © 2017 GeoBasis-DE/BKG (© 2009 Google)

Zwischen Europastern und Faulenbergareal klafft eine Lücke. Hier wurden bisher noch keine Freiflächen für die Straßenbahn festgelegt. Der Agenda 21 Arbeitskreis Mobilität & Regionalentwicklung weist daher darauf hin, dass dieser planerische Lückenschluss für eine Freihaltefläche für die Straßenbahn unbedingt bei den Planungen berücksichtigt werden muss. Ansonsten ist eine Erschließung der bevölkerungsreichen Stadtteile Lindleinsmühle, Versbach und Lengfeld mit der Straßenbahn wahrscheinlich nicht mehr möglich. Die Bevölkerung dieser Stadtteile wünscht sich aber eine Anbindung an das Straßenbahnnetz, wie die Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepte für diese Stadtteile zeigen.

Man bedenke: Hätte die Politik die schon seit 1975 geplante Straßenbahn in den Würzburger Norden damals gebaut, dann wären die Straßenbelastungen zwischen Greinbergknoten und Berliner Ring / Stadtmitte heute um geschätzte 30.000 Fahrten geringer und das Straßennetz wesentlich entspannter belastet, die Luftqualität um ein Vielfaches besser. Leider ist aber in der Vergangenheit nichts passiert, um den Menschen im Würzburger Norden attraktive Alternativen zur nutzung des PKW anzubieten. Das muss aber wenigstens als Möglichkeit für die Zukunft offen gehalten werden!

Wir appellieren daher an Verwaltung und Stadtrat, die weitsichtige und vorausschauende Planung für eine Straßenbahntrasse in den Würzburger Norden bei den weiteren Planungen zur Entlastung des greinbergknotens fortzuführen und die im Bereich des Europasterns noch unvollständige Freihaltetrasse für eine zukünftige Straßenbahn durchgehend zu komplettieren und als Ganzes für eine zukünftige Nutzung zu sichern.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.