Linie 6

Ulm: Uni-Straßenbahn eröffnet

div.table { display: table; width: 580px; padding: 5px; } div.spalte { display: table-cell; width: 280px; padding: 5px; } Ulm Linie 2

An diesem Wochenende (8./9.12.2018) war es soweit: Die Stadtwerke Ulm übergaben ihre neue Straßenbahnstrecke zur Universität dem Betrieb. Warum ist uns das eine Meldung wert? Weil es einige Parallelen zwischen der Ulmer Uni-Straßenbahn und „unserer“ geplanten Linie 6 in Würzburg zum Hubland gibt. Nicht nur versorgen beide erstmalig die jeweiligen Universitäten mit einem zeitgemäßen und leistungsfähigen ÖPNV, die konkreten Planungen zu beiden Projekten haben auch etwa zur selben Zeit (2011) begonnen – mit dem Unterschied: Die Ulmer Linie 2 ist fertig. Im Folgenden wollen wir einige Daten zu den beiden Projekten und ihren Verlauf miteinander vergleichen. Wer sich für die Ulmer Neubaustrecke interessiert, findet alle Informationen auf dieser Internetseite: Linie 2 Ulm [externer Link]

Einige Daten zu den Strecken Ulm „Linie 2“ Länge der Neubaustrecke: 9 km (davon 6,5 der Streckenteil zur Universität) 20 neue Haltestellen Baukosten: 215 Mio € Baukosten pro km: 23,9 Mio € Würzburg „Linie 6“ Länge der Neubaustrecke: 5,7 km

10 neue Haltestellen Baukosten (geplant): 80 Mio € Baukosten pro km: 14,0 Mio €

Wir sehen, dass für die Würzburger Linie 6 eine um ca. ein Drittel niedrigere Kostenschätzung abgegeben wird, als die tatsächlichen Baukosten in Ulm (pro Streckenkilometer gerechnet) – dies liegt in Ulm v.a. am Bau einer neuen 400m langen Brücke, der in den Baukosten inbegriffen ist, eine vergleichbare Baumaßnahme ist im Verlauf der Würzburger Linie 6 nicht vorgesehen.

Planungsverlauf

Wenn wir uns auf die Suche nach den Ursachen begeben, warum die Ulmer ihre Uni-Straßenbahn heute in Betrieb nehmen und in Würzburg die Planungen noch immer nicht abgeschlossen sind, hilft ein Vergleich der Planungsabläufe und -kulturen. Die Planungen in Ulm sind geprägt von einer intensiven Bürgerbeteiligung, die – anders als manche vielleicht erwarten würden – den Abschluss der Planungen deutlich beschleunigt hat. Hier die beiden Zeitachsen im Vergleich:

Ulm „Linie 2“ 2011 Start des Bürgerdialogs im September mit 4 weiteren Terminen im November. Würzburg „Linie 6“ 2011 Eine Bürgerinformationsveranstaltung im März. 2012 Bis Mai 2012 waren die Vorschläge der Bürger in die Planungen eingearbeitet. Die endgültigen Planungen wurden auf einer Bürgerinformationsveranstaltung präsentiert. Im November werden die Planungsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren eingereicht. 2012 Im Mai 2012 wurde dagegen in Würzburg das Planfeststellungsverfahren bereits eingeleitet – ohne vorherigen Bürgerdialog. Die Bürger können nun ihre Wünsche nur noch als Einwände im Genehmigungsverfahren äußern. Noch scheint Würzburg schneller… 2013 Im Juli 2013 verordnet die Regierung von Unterfranken dem laufenden Planfeststellungsverfahren eine Pause. Die vielfachen eingegangenen Anregungen erfordern umfangreiche Überarbeitungen der Planung durch die WSB. 2014 Im Mai 2014 hält das zuständige Regierungspräsidium Tübingen den Erörterungstermin zur Planfeststellung ab. 2014 Im März 2014 ist die WSB mit der Übrarbeitung fertig und das Planfeststellungsverfahren wird wieder aufgenommen. Jetzt beträgt die Würzburger Verspätung gegenüber Ulm schon fast zwei Jahre2015 Im Januar 2015 erlässt das Regierungspräsidium Tübingen den Planfeststellungsbeschluss für die Ulmer „Linie 2“. Damit herrscht ab sofort Baurecht. Die Bauarbeiten beginnen noch im selben Jahr. 2015 Im Mai 2015 nimmt die WSB zu den Einwendungen der Bürger in der nun 2. Runde des Planfeststellungsverfahrens Stellung. Die Regierung von Unterfranken nimmt nun die Arbeit am Verfahren wieder auf. 2017 Im Dezember 2017 findet nun auch in Würzburg der Erörterungstermin statt. Die Verspätung gegenüber Ulm beträgt nun dreieinhalb Jahre. 2018 Im Dezember 2018 geht in Ulm die neue Straßenbahnstrecke zur Universität nach knapp 3 Jahren Bauzeit in Betrieb. 2018 Zur gleichen Zeit, Ende 2018, ist in Würzburg das Baurecht immer noch nicht in Sicht. Dem Vernehmen nach fehlen der Regierung von Unterfranken für diesen Schritt noch wichtige Unterlagen… Die WSB rechnet mit viereinhalb Jahren Bauzeit, trotz kürzerer Streckenlänge. Wenn nun alles glatt läuft, kann die Straßenbahn ins Hubland vielleicht Ende 2023 fahren, 5 Jahre später als in Ulm. Einige Stimmen in der Stadtpolitik sprechen jedoch öffentlich auch von einem Baubeginn erst gegen Ende des kommenden Jahrzehnts.

Wir, die „Allianz Pro Straßenbahn“, setzen uns weiter für eine schneller Realisierung und einen zeitgemäßen ÖPNV in Würzburg ein und laden alle engagierte Würzburgerinnen und Würzburger ein, uns bei diesem Vorhaben zu unterstützen! Wie, erfahren Sie hier:

Die Linie 6 gibt es jetzt fast geschenkt!

Paukenschlag aus München

Die Bayerische Staatsregierung hat am Mittwoch, 18.07.2017, angekündigt [externer Link], Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV mit direktem Bezug zur Verbesserung der städtischen Luftqualität in besonders belasteten Situationen über fünf Jahre hinweg mit außerordentlich hohen Sätzen zu fördern. Stadt Würzburg und WVV wurden am gleichen Tag darüber und über die Maßnahmen im Einzelnen informiert – mit diesem Maßnahmenkatalog rückt der Bau der Linie 6 für Würzburg ganz in den Vordergrund. Mit über 80% Reduzierung der NOx-Belastungen im Kernbereich der höchsten Luftverschmutzung weist kein Vorhaben in Würzburg einen so hohen Nutzen in Sachen Verbesserung der Luftreinhaltung auf wie die Straßenbahnstrecke ins Frauenland und zur Universität.

Ministerpräsident Seehofer (CSU) hat im Rahmen der Bekanntgabe des Maßnahmenpakets zur Luftreinhaltung die besonders hohe Effizienz des Baus neuer Straßenbahnstrecken in Bayern betont – sie seien rasch zu realisieren und dabei vergleichsweise preisgünstig zu haben. Es müssten lediglich im einen oder anderen Fall noch Schranken in manchen Köpfen beseitigt werden, die der Umsetzung teilweise seit langen Jahren betriebener Planungen für neue Straßenbahnstrecken bislang entgegen gestanden hätten. Würzburg wurde dabei konkret als eine von vier bayerischen Städten benannt, für die Gelder für neue Straßenbahnvorhaben zur Verfügung gestellt würden.

Wie die Staatskanzlei mitteilt, wird die Beschaffung neuer Straßenbahnwagen, für die es unter normalen Umständen gar keinen Anspruch auf Förderung, sondern nur in besonders begründeten Einzelfällen Fördermittel gibt, in den kommenden 5 Jahren mit voraussichtlich 50% gefördert – allerdings nur, sofern es sich um Neubedarf handelt, mit dem die Luftverschmutzung deutlich reduziert wird. Beim Ersatz von Dieselbussen durch Straßenbahnen gibt es diesen Fördersatz, jedoch NICHT beim Ersatz alter Straßenbahnen durch neue: „Strom“ durch „Strom“ zu ersetzen ist nicht Sinn des Maßnahmenpakets Luftreinhaltung.

Eine solche Chance kommt einmal und nie wieder – auf fünf Jahre ist das Maßnahmenpaket zur Luftreinhaltung aus München begrenzt, innerhalb dieses Zeitraums muss Würzburg nun die Realisierung der Linie 6 in Gang bekommen.

Da Würzburg mit der Linie 6 ohnehin wegen des besonderen Interesses der Staatsregierung an der guten Anbindung von Universitätsstandorten beim Streckenbau in die höchste Förderkategorie (90%) aufgerückt ist, sollte die Realisierung der Straßenbahn ins Frauenland, zur Universität und in den neuen Stadtteil Hubland nun bei Politik und WVV absolute Priorität erhalten und auch problemlos finanziert werden können.

Es gibt wohl nur wenige Projekte, mit denen eine so effiziente Verbesserung der Luftbelastungssituation möglich wird wie mit dem Bau der Linie 6 – schließlich tragen hier aktuell um die 800 Linienfahrten mit Dieselbussen dazu bei, dass der Korridor Rennweger Ring – Residenz – Theaterstraße – Bahnhofstraße die am höchsten mit Stickoxyden belastete Achse in der Innenstadt darstellt. Die dortigen Belastungen würden durch den Bau der Linie 6 und die mit ihr verbundenen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen um über 80% zurückgehen.

Emissionen Theaterstr. NOx-Emissionen Würzburg, Achse Hbf. – Rennweg, Querschnitt Theaterstraße nach Angaben der Stadt Würzburg (Gesamtwerte) bzw. Berechnungen der Agenda 21 Würzburg (Aufteilung nach Fahrzeugarten) Emissionen Theaterstr. Reduzierungspotenziale der NOx-Emissionen (ebendort) durch Bau der Straßenbahnlinie 6 gem. Planfeststellungsverfahren; Berechnungen: Agenda 21 Würzburg Emissionen Theaterstr. Vergleich NOx-Emissionen (ebendort) ohne Straßenbahnlinie 6 (links) und mit Straßenbahnlinie 6 (rechts); Berechnungen: Agenda 21 Würzburg

Politik und Stadtgesellschaft waren und sind sich seit dem Ergebnis des Bürgerbegehrens zum Kardinal-Faulhaber-Platz darin einig, dass es nun an der Zeit ist, endlich attraktive Alternativen zum Autoverkehr zu fördern. Die Initiative der Bayerischen Staatsregierung zur Förderung des elektrischen ÖPNV bezweckt genau das und ist die ideale Gelegenheit, damit nun zeitnah zu beginnen, das weitgehend planerisch vorbereitete Projekt der Linie 6 der ideale Ansatzpunkt.

Nun hoffen wir, dass es rasch zum Erörterungstermin im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens kommt, um das Projekt „Linie 6“ zügig weiter voran bringen zu können.

Es ist eine wirklich einmalige Chance, die sich da durch das Aktionsprogramm der Bayerischen Staatsregierung zur Förderung von Maßnahmen zur Luftreinhaltung für Würzburg auftut: jetzt bekommen wir die Straßenbahnlinie 6 in des Wortes wörtlichster Bedeutung geschenkt – wenn man die geringen Eigenmittelanteile, die Würzburg nun noch selbst bezahlen muss, gegen jene Ausgaben abwägt, die die Stadt schultern müsste, wenn sie die Linie 6 nicht realisiert, dann wird die Linie 6 nicht nur zum Geschenk, es bleibt der Stadtkasse und dem WVV-Haushalt vielmehr noch ein satter Millionenbetrag erspart, der ansonsten unweigerlich in den kommenden Jahren aus kommunalen Quellen fällig würde – bliebe es beim Omnibusbetrieb, so wäre dieser ja auch nicht umsonst zu haben, sondern im Gegenteil mit hohen Ausgaben für einen dann sehr großen neuen Busbahnhof verbunden, von dem noch nicht einmal klar ist, wo er in der erforderlichen Größe überhaupt unterzubringen wäre.

Das ist eine Riesenchance nicht nur im Sinne der Luftreinhaltung, sondern für die gesamte Stadtentwicklung wie auch zur Gesundung des Haushaltes der WVV.

Alle politischen Kräfte mit Ausnahme der Würzburger Liste unterstützen das Projekt Linie 6 und haben es immer nur von den Möglichkeiten der Finanzierung abhängig gemacht. Diese Hürde hat Ministerpräsident Seehofer nun so tief gelegt, dass Würzburg sie schadlos überspringen kann. Es sollten also nun alle politischen Hindernisse ausgeräumt sein, die der Realisierung der Linie 6 entgegen stehen.

Die WVV hat aber bislang die Priorität ihrer Investitionen anders gesetzt als es nun, nach der überraschenden Bekanntgabe des hochkarätigen Förderprogramms aus München zu sehen ist. Ministerpräsident Seehofer hat ein klares Zeitfenster benannt – die Luftreinhaltung soll im Gefolge des Diesel-Skandals Vorrang vor anderen Zielen erhalten. Die WSB möchte aber gerne jetzt ihren Fahrzeugpark erneuern und hat dabei einen Wunschzettel vorgelegt, der aus ihrer Sicht optimal erscheint, jedoch nicht in allen Punkten auch so erforderlich ist. Fünf sehr alte Bahnen (GT-D, Baujahr 1967 – 1975) müssen wirklich dringlich erneuert werden, weil ihr Weiterbetrieb mit hohen Auflagen der Aufsichtsbehörde verbunden und für die Fahrzeuge, die nun bis zu 50 Jahre Alltagseinsatz auf dem Buckel haben, nicht mehr wirtschaftlich wäre.

Auch die 20 Niederflurwagen, die seit 1995 in Betrieb sind (GT-N), müssen ab 2025 ersetzt werden, weil sie aus technischen Gründen einem raschen und starken Verschleiß unterworfen sind.

Die zur Eröffnung der Heuchelhofstrecke 1989 beschafften 14 Züge des Typs GT-E sind hingegen noch lange nicht am Ende ihrer Jahre. Es sind vielmehr die besten und zuverlässigsten Arbeitspferde im Stall der WSB, und mit einer Laufleistung von ca. 1,5 Mio. km haben sie gerade mal die Hälfte eines durchschnittlichen Straßenbahnlebens absolviert. Sie müssen lediglich eine neue Steuerungselektrik erhalten, die für 170.000 € inklusive Einbau auf dem Markt angeboten wird, dann können sie problemlos mindestens bis 2030 eingesetzt werden. Weil das so einfach und so kostengünstig zu haben ist, wurden und werden in Deutschland und im Ausland viele hundert Straßenbahnwagen so für ein zweites Leben fit gemacht. Und last not least: weil „Strom“ durch „Strom“ zu ersetzen keinen Sinn für die Luftreinhaltung macht, würde der Ersatz dieser GT-E-Züge lange vor Ende ihrer Nutzungsdauer aus München nicht gefördert werden – so lautet die klare Ansage aus der Staatskanzlei: Förderung gibt es nur für elektrische Züge, die Dieselbusse ersetzen.

Abschließend ein kompakter Kostenvergleich beider Handlungsalternativen.

Das von der WVV gewünschte Vorgehen bedeutet:

14 Neufahrzeuge (ca. 37 m lang) 14 x 3,6 Mio. € ca. 50,6 Mio. € (keine Förderung wegen vorzeitigem Ersatz und ohne Vorteile für die Luftreinhaltung = Finanzierungsanteil WVV 100%) – 0 Mio. € Verbleiben von der WVV zu finanzieren ca. 50,6 Mio. €

Die Alternative „Linie 6 mit Sonderförderung vorziehen und GT-E-Ersatz verschieben“:

Steuerungsupdate GT-E 14 x ca. 0,17 Mio. € (Förderung des Update ungewiss, daher hier mit 0% veranschlagt) ca. 2,38 Mio. € 9 Neufahrzeuge Linie 6 ( ca. 43 m lang) 9 x ca. 3,6 Mio € ca. 32,4 Mio. € ./. abzüglich 50% aus Sonderprogramm gefördert ca. -16,2 Mio. € Verbleiben von der WVV zu finanzieren ca. 18,58 Mio. €

Im direkten Vergleich bedeutet dies:

Steuerungsupdate 14 GT-E + 9 Neufahrzeuge inkl. Förderung ca. 18,58 Mio. € anstatt 14 Neufahrzeuge (ca. 37 m lang) x 3,6 Mio. € – ca. 50,60 Mio. € Einsparungen ca. 32,02 Mio €

Aus diesen 32,02 Mio. Einsparungen kann der kommunale Eigenanteil an der Linie 6 in Höhe von ca. 8 Mio. € (Infrastruktur) ebenso finanziert werden wie die zur Finanzierung der Eigenanteile an den Fahrzeugen notwendigen Kredite.

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: erst muss die Linie 6 gebaut werden, einschließlich der Beschaffung von rund 10 Straßenbahnen, die klimaneutral betrieben werden und zwischen 20 und 30 Dieselbusse ersetzen können. Das lässt sich der Freistaat innerhalb der kommenden fünf Jahre viel Geld kosten. Der Ersatz von 14 Straßenbahnen, die alternativ für sehr wenig Geld für ein weiteres Jahrzehnt Einsatz flott gemacht werden können, ist nicht mehr als ein „nice-to-have“-Wunsch der WSB und muss hinter dem Bau der Linie 6 zurückstehen.

So sollte der Stadtrat am kommenden Donnerstag in der letzten Sitzung vor der Sommerpause beschließen.