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Plattnerstraße: Einzelhandel droht sich selbst zu schaden

Die Plattnerstraße ist heute das Gegenteil einer attraktiven Innenstadtstraße. Sie ist geprägt von einem ununterbrochenem Parkplatzsuchverkehr, Hunderte von PKW steuern die gute Handvoll Parkplätze in der Hoffnung an, einen davon zu ergattern und kommen fast alle erfolglos zurück – manche mehrmals hintereinander. Der Zugang zum Domschatz spottet jeder Beschreibung. Es stinkt nach Abgasen, die Aufenthaltsqualität ist miserabel, die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und wer dort zu Fuß durch muss, beeilt sich, so rasch wie möglich die rettenden Straßen der Fußgängerzone zu erreichen.

Teile des Einzelhandels verstehen noch immer nicht, dass diese kleine Handvoll Parkplätze nicht Lösung, sondern Ursache der dortigen Probleme ist. Wesentlich mehr Menschen als ihn verursachen fühlen sich vom Parkplatzsuchverkehr gestört und suchen zum Einkauf andere Bereiche auf. Für die dort Wohnenden sind die Zustände unzumutbar, was Lärm und Luftverschmutzung angeht. Fußgänger müssen sich an wild parkenden Autos vorbei quetschen, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen haben oft keine Chance durchzukommen. Zuzustimmen ist allerdings der Ansicht, dass die Stadtverwaltung durch ihr jahrzehntelanges Versäumnis, an den Stadträndern gut an die Straßenbahn angebundene Park-and-Ride-Plätze anzulegen, zu dieser Misere maßgeblich beigetragen hat. Es ist nach wie vor viel zu attraktiv, mit dem Auto bis in die innersten Bereiche des Domquartiers einfahren zu können. Zu allem Überfluss hat der Sommer eindrucksvoll gezeigt, was für eine Qual es ist, sich ohne schützendes Grün von Bäumen über die Hitze reflektierende Asphaltflächen und an noch höhere Temperaturen abstrahlenden Blechkarossen vorbei zu bewegen. „Attraktive Innenstadt“ geht anders!

Heilbronn Kaiserstraße Die Kaiserstraße im Zentrum der Heilbronner Fußgängerzone wurde, obwohl sie auch nicht breiter ist als ihre Würzburger Schwester, trotzdem mit Baumreihen beiderseits der Straßenbahngleise ausgestattet. Fotos: Thomas Naumann/Agenda 21

Mit übergroßem Konsens hat der Würzburger Stadtrat das Handlungskonzept „GreenCityPlan“ für eine nachhaltige, attraktive Stadt der Zukunft verabschiedet. Dafür gebührt ihm großes Lob! Wenn aber schon bei der ersten konkreten Entscheidung wieder gegen dessen Ziele verstoßen wird, dann müssen sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Würzburg zu Recht für dumm verkauft fühlen. Ist schon wieder vergessen, mit welcher eindrucksvollen Mehrheit sich Würzburg am Kardinal-Faulhaber-Platz für eine zukunftsorientierte Stadtgestaltung entschieden hat?

So wird das nichts mit der attraktiven Einkaufsstadt der Zukunft. Wenn Einzelhandel gerade auch kleinerer Geschäfte unter den Bedingungen des Klimawandels in der Innenstadt Zukunft haben soll, dann bedarf es massiver Begrünung und zahlreicher Trink- und Erfrischungsbrunnen. Leider sind die erst realisierten Einkaufsstraßen Kaiserstraße und Eichhornstraße alles andere als nachhaltig-attraktive Umgestaltungen.

Kaiserstraße Die Kaiserstraße präsentiert sich als Steinwüste, in der man schutzlos der Sonne ausgeliefert ist, obwohl der Umbau DIE Gelegenheit gewesen wäre, zugleich eine doppelte Baumreihe zu setzen. Das hätte Flanieren unter schützendem Blätterdach ermöglicht und die Kaiserstraße in eine der attraktivsten Straßen der Innenstadt verwandelt.

Diese Chance ist vertan, obwohl dort in Zukunft mit Temperaturen von weit über 50 Grad in der Sonne zu rechnen ist. Große Bevölkerungsteile, vor allem Senioren, werden sich dort überhaupt nicht mehr aufhalten können ohne sich akuten gesundheitlichen Risiken auszusetzen.

Eichhornstraße Auch in der Eichhornstraße wäre ein begehbarer Brunnen, umgeben von Freisitzflächen als Oase der Ruhe und Ersatz für die von den Würzburgern noch immer schmerzlich vermissten Gartenflächen des Eiscafes „Venezia“ für alle von großem Nutzen gewesen (Zum Vergleich Bild unten: Coburg, Albertsplatz). Coburg, Albertsplatz

Unser Appell an den Stadtrat: noch haben wir die Chance, in der Plattnerstraße die Zukunft zu gestalten. Ein guter Kompromiss könnte sein, in einer ersten Stufe auf jeden Fall die geplanten Bäume zu setzen, eine „verkehrsberuhigte Zone“ auszuweisen und den Straßenraum niveaugleich und mit attraktivem Plattenbelag zu gestalten.

Würzburgs Luft soll sauberer werden

Jeder kann sich am Green-City-Plan beteiligen! KFP

Weniger Stickstoffe und eine nachhaltigere Mobilität für Würzburg: So lassen sich die Ziele des im Februar 2018 gestarteten „Green-City-Plans Würzburg“ zusammenfassen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt für die Erarbeitung dieses Masterplans 354.000 Euro zur Verfügung. Die Stadt Würzburg entwickelt den Maßnahmenplan gemeinsam mit dem Landkreis Würzburg und weiteren Partnern. Gefragt sind aber auch alle Würzburger Bürgerinnen und Bürger, Pendler, Gäste und Interessierte.

Über die Online-Befragung [externer Link] kann ab sofort jeder Interessierte 22 Fragen beantworten, mit denen

  • bereits vorgeschlagene Maßnahmen bewertet
  • neue Maßnahmenvorschläge eingebracht
  • weitere Einschätzungen mitgeteilt werden.

Die Teilnahme an der Befragung ist anonym, die Antworten werden nach den gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes streng vertraulich behandelt. Die Bearbeitung des Fragebogens nimmt etwa 10 bis 15 Minuten in Anspruch, die Befragung wird bis einschließlich Donnerstag, 01. März 2018 durchgeführt.

Die Rückläufe dienen als Grundlage für verschiedene Workshops, in denen die Ergebnisse präsentiert und weiterverarbeitet werden. Dazu gehören Fachworkshops für Experten ausgewählter Themenfelder, aber auch die öffentliche Auftaktveranstaltung am 8. März 2018 um 18.30 Uhr in der Aula des Friedrich-Koenig-Gymnasiums, zu der alle Interessierten eingeladen sind.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt ruft die Würzburgerinnen und Würzburger dazu auf, sich zu beteiligen: „Der Green-City-Plan wird vorhandene Instrumente mit neuen, innovativen Maßnahmen kombinieren. So erreichen wir nicht nur eine bessere Luftqualität, sondern auch eine auf Würzburg maßgeschneiderte zukunftsorientierte Mobilität. Ich kann Sie daher nur ermuntern: Nehmen Sie an der Online-Befragung und der Auftaktveranstaltung teil und gestalten Sie diese wichtigen Themen in Ihrer Stadt mit.“

Die Ergebnisse werden in einem Bürgerworkshop diskutiert. Bis Ende Juli 2018 soll der Maßnahmenplan fertiggestellt sein.

Elektromobilität funktioniert, nur anders…

E-Mobilität Bayern

Die Agenda 21 AG Carsharing & Elektromobilität hat im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche am 19. September 2017 einen Vortragsabend im Burkardushaus zum Thema Elektromobilität organisiert. Dr. Guido Weißmann, Elektromobilitätsexperte von Bayern Innovativ, hat über den Stand und die zukünftige Entwicklung der Elektromobilität informiert. Im Mittelpunkt stand dabei die Alltagstauglichkeit und wie sich unser Verhalten und Verständnis von Mobilität den technischen Rahmenbedingungen anpassen muss und wird. Dadurch werden wir Zeit und Geld sparen können.

Hier können Sie die Vortragsfolien herunterladen.

Greinbergknoten entlasten – ja, aber nur mit einem schlüssigem Gesamtkonzept

In Folge des Bürgerentscheids zum Kardinal-Faulhaber-Platz war sich die Politik einig, dass die Würzburger Bürgerschaft eine andere, nachhaltige und alle Verkehrsträger gleichermaßen berücksichtigende Verkehrspolitik eingefordert hat und diese auch bekommen sollte. Die sicherlich schon länger in Planung befindlichen Überlegungen zur Entlastung des Greinbergknotens berücksichtigen dies leider nicht. Der Greinbergknoten soll entlastet werden ohne ausreichende Berücksichtigung anderer Belange als jene des Autoverkehrs.

So sehen die Fakten am Europastern aus: das Baureferat hat in jahrelanger Vorarbeit eine Freihaltetrasse für eine Straßenbahnführung vom Berliner Ring in Richtung Lindleinsmühle, Versbach und Lengfeld gesichert. Dafür wurden entlang der Schweinfurter Straße die Flächen im Detail bei allen Planungen und Baumaßnahmen mit den dortigen Investoren abgestimmt und gesichert; wenn die Straßenbahn gebaut wird, ist vertraglich bereits abgesichert, wo welche Flächen dann abgetreten werden müssen. Diese Freihaltetrasse reicht bis zur Bahnunterführung unmittelbar vor dem Europastern. Die nächste Etappe folgt dann im großen Bereich der Konversionsflächen „Faulenberg-Areal“, beginnend an der Nürnberger Straße Matthias-Thoma-Straße, wo die Trasse dann durchgehend in Richtung Lindleinsmühle, Versbach und Lengfeld gesichert und im Rahmenplan Faulenberg bindend enthalten ist. Besonderer Pluspunkt: genau am Schnittpunkt der Bundesstraßen B8 und B 19, an DER optimalen Stelle für diesen Zweck in Würzburg überhaupt, ist eine sehr große Fläche für den Bau einer Park & Ride-Anlage mit Straßenbahnanschluss freigehalten und für diesen Zweck gewidmet.

Querung Aumühle

Bild: © 2017 Google; Kartendaten: © 2017 GeoBasis-DE/BKG (© 2009 Google)

Zwischen Europastern und Faulenbergareal klafft eine Lücke. Hier wurden bisher noch keine Freiflächen für die Straßenbahn festgelegt. Der Agenda 21 Arbeitskreis Mobilität & Regionalentwicklung weist daher darauf hin, dass dieser planerische Lückenschluss für eine Freihaltefläche für die Straßenbahn unbedingt bei den Planungen berücksichtigt werden muss. Ansonsten ist eine Erschließung der bevölkerungsreichen Stadtteile Lindleinsmühle, Versbach und Lengfeld mit der Straßenbahn wahrscheinlich nicht mehr möglich. Die Bevölkerung dieser Stadtteile wünscht sich aber eine Anbindung an das Straßenbahnnetz, wie die Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepte für diese Stadtteile zeigen.

Man bedenke: Hätte die Politik die schon seit 1975 geplante Straßenbahn in den Würzburger Norden damals gebaut, dann wären die Straßenbelastungen zwischen Greinbergknoten und Berliner Ring / Stadtmitte heute um geschätzte 30.000 Fahrten geringer und das Straßennetz wesentlich entspannter belastet, die Luftqualität um ein Vielfaches besser. Leider ist aber in der Vergangenheit nichts passiert, um den Menschen im Würzburger Norden attraktive Alternativen zur nutzung des PKW anzubieten. Das muss aber wenigstens als Möglichkeit für die Zukunft offen gehalten werden!

Wir appellieren daher an Verwaltung und Stadtrat, die weitsichtige und vorausschauende Planung für eine Straßenbahntrasse in den Würzburger Norden bei den weiteren Planungen zur Entlastung des greinbergknotens fortzuführen und die im Bereich des Europasterns noch unvollständige Freihaltetrasse für eine zukünftige Straßenbahn durchgehend zu komplettieren und als Ganzes für eine zukünftige Nutzung zu sichern.

Gesellschaft zukünftig zusammenführen statt spalten

Der Agenda 21 AK Mobilität & Regionalentwicklung sieht im Umgang fast aller Beteiligter mit den Ergebnissen von Bürger- und Ratsentscheid zum Thema „Kardinal-Faulhaber-Platz“ einen großen Gewinn für die Stadtgesellschaft. Respekt ist der Verliererseite dafür zu zollen, dass sie den offensichtlichen Wandel des Abstimmungsgegenstands akzeptiert und dies auch so ausgesprochen hat: von der Oberflächengestaltung des Platzes hin zu einer Grundsatzentscheidung über innerstädtische Verkehrspolitik. Damit wurde auch anerkannt, dass bisher bei diesem Thema nicht so gehandelt wurde, wie es ganz offensichtlich dem Willen einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung entspricht. Mögen Politik und Verwaltung bei zukünftigen Planungen bedenken, dass eine Großstadtbevölkerung im Jahr 2017 mehrheitlich ganz andere Vorstellungen zur Zukunft ihrer Stadt hat und natürlicherweise so reagiert wie geschehen, wenn ihr von einzelnen Lobbyisten eine Vision des Stadtverkehrs wie aus den 1960er Jahren aufgezwungen werden soll.

Schon im Prozess der Entstehung der Integrierten Stadtentwicklungskonzepte (ISEK) für die Gesamtstadt, Innenstadt und Heidingsfeld (alle 2012) sowie Versbach (2015) und Lengfeld (2016) hat die Würzburger Bürgerschaft die von ihr gewünschten Prioritäten bei Stadtentwicklung und Verkehr geäußert. Dabei standen mehr Grün- und Freiflächen in der Innenstadt und den Stadtteilen, weniger Autoverkehr und die Förderung von öffentlichem Nahverkehr und Radfahren an vorderster Stelle und wurden vom Stadtrat beschlossen. Dem gegenüber stand das Vorhaben beim Bürgerentscheid zum Kardinal-Faulhaber-Platz eine aus Lobbykreisen vorgetragene Forderung nach mehr Parkplätzen zu erwirken. So gab es keine verbindliche Zusicherung, im Ausgleich für die avisierte Tiefgarage Oberflächenparkplätze dort zu beseitigen, wo sie eine „Kulturschande“ darstellen und wo sie die Stadt Würzburg wirtschaftlich schädigen (Umfeld des Doms, Hofstraße / Fremdenverkehr). Zudem hat die Stadt Würzburg – als einzige aller UNESCO-Welterbe-Standorte – Fördermittel für die Verbesserung des Welterbe-Umfeldes verzinst zurückgezahlt, anstatt das Residenz-Ensemble ohne Belastung für den Stadthaushalt aufzuwerten. Warum? Weil der Wille fehlte, dafür einige Stellplätze zu opfern.

Es war diese Form der Kompromisslosigkeit, die die Bürgerschaft in immer stärkerem Masse gegen die politischen Entscheidungen aufgebracht hat. Die Quittung dafür gab es am vergangenen Sonntag. Die Lehre daraus ist eindeutig: zukünftig muss einer weiteren Spaltung der Bürgergesellschaft aktiv entgegen gewirkt werden; es kann nicht mehr darum gehen, die Stadtgesellschaft in „Gewinner“ und „Verlierer“ zu teilen. ALLE Beteiligten müssen einsehen, dass die Seele der Demokratie in Kompromiss und Verständigung und nicht im Versuch einzelner Gruppen liegen kann, ihre Sicht der Dinge zu 100% durchzusetzen.

Was bedeutet dies für die Zukunft?

Das Thema „Parkraum“ hat seine Berechtigung. Aber nicht an jeder Stelle der Stadt und unter allen Rahmenbedingungen. Die Erreichbarkeit der Innenstadt muss für alle Bewohner der Stadt Würzburg und des Umlands gegeben sein. Aber nicht zu jeder Zeit und überall mit dem Auto. Insbesondere müssen Maßnahmen getroffen werden, dass die Bevölkerung aus Umland und Region nicht bis unmittelbar in das Stadtzentrum fahren muss und möchte. Es wird aufgrund der vielen Parkhäuser und Tiefgaragen im Zentrum der Stadt immer genügend Parkraum für die zur Verfügung stehen, die bis in die Innenstadt fahren müssen. Allen anderen müssen Lösungen angeboten werden, die einen rechtzeitigen Umstieg auf den ÖPNV oder das Fahrrad befördern – also attraktive Angebote, die gerne und freiwillig von der Bevölkerung angenommen werden. Denn die Stadtbevölkerung will mehrheitlich die ihr aus dem derzeitigen innerstädtischen Verkehrsaufkommen entstehenden Belastungen nun nicht mehr länger ertragen, und das völlig zu Recht. Besucher und Einkäufer sind herzlich in Würzburg willkommen, aber bitte nur in solchen Fällen mit dem Auto, wo es nicht anders geht.

Daher ist es an der Zeit, beispielsweise das Thema „Park & Ride“ aufzugreifen und entschlossen anzugehen. Denn Park & Ride gleicht diese Interessenskonflikte in idealer Weise aus. Der Autoverkehr aus der Region wird dort abgefangen, wo dies verträglich für alle möglich ist – am Stadtrand, wo Einfallstraßen und Straßenbahnlinien zusammen kommen müssen. In den Stadtteilen kann man zudem durch Bike & Ride-Plätze an zentralen ÖPNV-Haltestellen innerstädtischen motorisierten Individualverkehr reduzieren. Ein Besucher der Stadt, der bewusst mit dem Auto in die innerste Stadtmitte gelockt wird – siehe dazu www.wuerzburg.de [externer Link]: „In der Würzburger Innenstadt einen Parkplatz zu fairen Preisen zu bekommen, ist einfacher als Sie denken: Stolze 3.490 Stellplätze in 14 Parkhäusern und -plätzen befinden sich in zentralen Lagen. Hinzu kommen die Parkgelegenheiten links und rechts des Straßennetzes“ – muss oftmals erst einmal eine halbe Stunde oder länger im Stau stehen, anstatt sein Auto bequem vor dem Staubeginn am Stadtrand abzustellen und dann in wenigen Minuten per Straßenbahn mitten in die Fußgängerbereiche zu gelangen.

Die Bayerische Staatsregierung (CSU) gewährt großzügige Fördermittel in Höhe von 40 – 60% für die Anlage von Park & Ride- sowie Bike & Ride-Plätzen oder -Häusern, weil sie die nachhaltige Entwicklung der bayerischen Kommunen unterstützen möchte. Mit dem gleichen städtischen Mitteleinsatz wird es dadurch möglich, am Stadtrand mit ÖPNV-Anbindung ein Vielfaches an Stellplätzen zu schaffen als es im Stadtzentrum möglich wäre.

Welche dramatischen Folgen es für Würzburg hatte, dass die Stadt sich in den vergangenen Jahrzehnten – einzige Ausnahme (Straßenbahn Heuchelhof 1989) – stets dagegen entschieden hat, den Nahverkehr zu verbessern, – statt dessen aber für die Parkierungsanlagen in der Innenstadt wirbt – sieht man am Vergleich der Nutzung von PKW und ÖPNV über die vergangenen Jahrzehnte in Würzburg und Freiburg (Abb. 1): während in Würzburg der Anteil des PKW am Gesamtverkehr geradezu explodiert ist, ist er in der Vergleichsstadt Freiburg stetig gesunken. Freiburg stellt dabei keineswegs weniger Parkraum für die Besucher aus dem Umland zur Verfügung, aber einen Teil davon in Form von Park & Ride-Plätzen an Endhaltestellen der Straßenbahn am Stadtrand.

Modal Split Vergleich Freiburg-Würzburg Vergleich von Straßenbahn- und PKW-Nutzung in Würzburg und Freiburg (Quelle: Stadt Würzburg und Stadt Freiburg)

Freiburg hat damit beides erreicht: als zentraler Einkaufsort für die Region am Oberrhein hat es den Einzelhandel unterstützt als auch seiner Bürgerschaft eine gesunde, urbane Lebensqualität erhalten, die regelmäßig im bundesdeutschen Vergleich auf Platz 1 landet. Eine solche Lebensqualität ist nur über eine aktive Verkehrspolitik zu schaffen, die mit Ausbau der Straßenbahn und guten Bedingungen für den Radverkehr attraktive Alternativen zur Nutzung des PKW schafft.

Diese Chance muss Würzburg nun ergreifen. Die Lehre aus dem Abstimmungsergebnis kann nur darin liegen, sich dieser Aufgabe ab sofort aktiv zu stellen! Das Beispiel „Park & Ride“ zeigt sehr gut, wie der unabdingbare Interessenausgleich in einer Gesellschaft gut funktionieren kann, wenn alle Beteiligten der ehrliche Wille dazu eint. Allen wird etwas abverlangt, aber für alle entsteht auch Nutzen – ein echter „Königsweg“. Wir können nur hoffen, dass die Beteiligten ohne Ausnahme anerkennen, dass sie allesamt gefordert sind und umdenken müssen, damit Würzburg eine für alle gedeihliche und nachhaltige Zukunft vor sich haben kann.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Agenda 21 AK Mobilität & Regionalentwicklung wünschen sich nun von Verwaltung und Politik, sich aktiv für die Realisierung von Park & Ride-Anlagen an den Endhaltestellen der Straßenbahn und Bike & Ride-Möglichkeiten in den Stadtteilen einzusetzen. Die neue Mobilitätskultur, die die Würzburger am Sonntag eindrucksvoll eingefordert haben, kann zudem nur mit einem deutlich attraktiveren ÖPNV erreicht werden. Dafür ist ein leistungsfähiger und ambitionierter Verkehrsverbund mit guten und preiswerten Verbindungen in die umliegenden Landkreise ebenso wichtig wie eine bessere Anbindung vieler Würzburger Stadtteile – insbesondere im Würzburger Osten (Frauenland, Hubland) und Norden (Lindleinsmühle, Versbach und Lengfeld). Die Impulse und Aufträge dazu müssen von der Politik ausgehen. Es reicht nicht, den ÖPNV sich selbst zu überlassen. Die Zeit ist günstig, denn es steht ohnehin die Überarbeitung des Nahverkehrsplans an. Hier müssen dringend ambitionierte Ziele für einen attraktiven Nahverkehr gesetzt werden statt mit „Mindeststandards“ zu hantieren. Nur so kann die Chance für deutliche Verbesserungen – innerstädtisch wie in der Region – genutzt und dem Wählerwillen Rechnung getragen werden.

Darüber hinaus muss der Ausbau des Straßenbahnnetzes wesentlich schneller weiter vorangetrieben werden. Neben der Verlängerung der Straßenbahn in Grombühl muss möglichst kurzfristig der Baubeginn für die Straßenbahnlinie 6 ins Hubland erreicht werden. Erster Schritt dazu wäre bei der Regierung von Unterfranken einen zügigen Fortschritt im stockenden Planfeststellungsverfahren zu fordern.

Entscheidend ist, dass den Worten nun zügig Taten in Richtung einer modernen, nachhaltigen Mobilität folgen müssen. Ansonsten ist heute schon sicher, dass weitere Bürgerentscheide die Folge sein werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AK Mobilität & Regionalentwick-lung sind gerne jederzeit bereit, die Diskussionen und Entscheidungsprozesse fachlich und mit kreativen Lösungsvorschlägen zu unterstützen.

Unser neuer Blog!

Wir starten ein neues Projekt: Einen Blog zu unseren Themen der Mobilität und Regionalentwicklung in Stadt und Landkreis Würzburg.

Mitarbeit erwünscht! Gerne nehmen wir Ihre Gedanken zu Bus und Bahn, Radverkehr und Carsharing entgegen und veröffentlichen sie hier in unserem Blog! Fügen Sie auch gern Bilder hinzu und schicken Sie Ihren Beitrag an: blog@wuerzburg-in-bewegung.de Zur Vergrößerung unseres Radaktionsteams suchen wir auch Menschen aus Würzburg und Umgebung, die gerne regelmäßiger an dieser Stelle über ihre Erfahrungen mit diesen Themen berichten möchten. Schreiben Sie uns gerne ebenfalls an: blog@wuerzburg-in-bewegung.de

„Sparen, koste es was es wolle“?

Die Würzburger ÖPNV-Politik steckt in der Sackgasse

„Vom Sparen allein wird keiner gesund“ titelte die Mainpost am 2.11.16 im Wirtschaftsteil zum Thema, wie man ein auf die Abwärtsbahn geratenes Unternehmen wieder auf positiven Kurs bringt. In der gleichen Ausgabe wird über den Start des von Grund auf neu aufgestellten Nachtbusverkehrs der WSB berichtet, der sich nach aktuellen Zählungen zu einem vollen Erfolg entwickelt. Der Zusammenhang zwischen beiden Nachrichten ist offensichtlich: Man kann ein Unternehmen „zu Tode sparen“, man kann es aber stattdessen auch mit neuen Ansätzen auf der Höhe der Zeit, mit einer unterstützenden Behandlung in die Lage versetzen, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren und dann selbst Stück für Stück den Weg der Gesundung zurückzulegen. Aber ohne die Verabreichung einer passenden Medizin klappt dies in den meisten Fälle nicht….

Erstmals wird das Defizit der Würzburger Straßenbahn GmbH (WSB) innerhalb des städtischen WVV-Konzerns aufgrund des drastischen Preisverfalls im Energiebereich nicht mehr vollständig im Rahmen des steuerlichen Querverbunds abgedeckt werden können, sondern auf den Haushalt der Stadt Würzburg durchschlagen. Es ist nicht anzunehmen, dass sich zukünftig an dieser für die Zukunft der Stadt Besorgnis erregend Entwicklung etwas ändern könnte; im Gegenteil ist davon auszugehen, dass die Defizitanteile, die der Kämmerer von der WVV übernehmen und in den Haushalt einstellen muss, in den kommenden Jahren deutlich höher werden.

Über 15 Jahre hinweg ist versucht worden, das Defizit der WSB durch Angebotskürzungen, jährliche Tarifsteigerungen und Vermeidung wichtiger Investitionen in den Griff zu bekommen. Weil die Einsparversuche ausschließlich nach innerbetrieblichen Kriterien erfolgt sind, hatten und haben sie massive Fahrgastverluste zur Folge. Diese Strategie ist nun endgültig gescheitert. Ein Kurswechsel bei Politik und WVV ist unvermeidbar geworden, will man nicht eine Entwicklung riskieren, die am Ende nicht nur für die WVV, sondern für die Kommune selbst nicht mehr beherrschbar sein wird.

„Rekord bei Fahrgastzahlen in Augsburg“, „Neuer Fahrgast-Rekord in Nürnberg“ (Zitate Schlagzeilen örtlicher Medien) – überall in Deutschland lesen sich die Schlagzeilen ähnlich. Während der Verband deutscher Verkehrsbetriebe (VDV) für 2015 zum achtzehnten Mal in Folge einen bundesweiten Anstieg der Fahrgastzahlen im Öffentlichen Nahverkehr bekanntgeben konnte, ist in den vergangenen Jahren in Würzburg das Gegenteil passiert: seit 15 Jahren verliert die WSB mal mehr, mal weniger Fahrgäste. Weniger Fahrgäste bedeuten weniger Einnahmen aus Fahrscheinverkauf und das schlägt auf das Jahresergebnis der WVV durch.

Vergleich Fahrgäste VDV-WÜ

Die stetige Abwärts-Entwicklung der Nachfrage bei der WSB ist als dramatisch zu bezeichnen; kein anderer vergleichbarer Verkehrsbetrieb in Deutschland ist von einer auch nur ähnlich negativen Entwicklung betroffen. Die Verkehrsbetriebe, die Straßenbahnen betreiben, verzeichnen besonders starke Fahrgastgewinne, während in Würzburg gerade die Straßenbahn besonders starke Einbußen verzeichnet – ein trauriges Alleinstellungsmerkmal!

Das, obwohl Würzburg nicht mit sinkenden Einwohnerzahlen zu kämpfen hat. Durch die weiter stark wachsende Zahl der Studierenden steigt die Würzburger Wohnbevölkerung vielmehr deutlich an, und die daraus resultierenden Steigerungen der Fahrgastzahlen in Bus und Bahn sind in den Jahresstatistiken der WVV auch enthalten. Weil es bisher aber keine detaillierten Zählungen zu den Fahrgastzahlen aus dem Semesterticket gibt, sondern nur Hochrechnungen, ist der Nachfrageanteil des Semestertickets in der Grafik abgeschätzt angegeben – die hellblaue Kurve stellt eine mittlere Variante zwischen dem maximalen und dem minimalen Anteil dar.

Besonders zu beachten ist auch: Busverkehre können keine neuen Fahrgäste gewinnen, sondern verlieren oder halten bestenfalls ihr Niveau. Es sind nur die Bahnverkehre, die neue Fahrgäste gewinnen, und zwar auf kräftigem Niveau. Das betrifft ganz besonders Straßenbahnen, aber auch U- und S-Bahnen (in der Straßenbahn-Kurve nicht enthalten).

Die Mutmaßung der WVV, an den besonders starken Fahrgastverlusten des Jahres 2015 (-700.000) könnten die gesunkenen Spritpreise schuld sein bietet keine plausible Erklärung. Wenn in ganz Deutschland die Spritpreise sinken und zugleich die Fahrgastzahlen trotzdem überall deutlich steigen, nur in Würzburg zurück gehen, dann sind die Ursachen in Würzburg zu suchen.

Ebenfalls in die Irre führt der Erklärungsversuch der WSB, der Ausbildungsverkehr leide unter zurück gehenden Schülerzahlen. Ganze 59 Schüler weniger in der Stadt Würzburg im Jahr 2015 sollen die Ursache für einen Nachfragerückgang um 700.000 Fahrten liefern? Im Gegenteil sorgen mittlerweile bald 30.000 Studenten mit Semesterticket dafür, dass der Ausbildungsverkehr bei der WSB auf einem Allzeithoch boomt. Auch 2015 ist die Zahl der Studierenden wieder um knapp 900 angestiegen.

Vergleich Fahrgäste FR-WÜ

Seit 2000 hat die WSB in direkter Folge von Fahrplankürzungen und Verschlechterungen der Fahrplanstruktur (Beseitigung von Umsteigeanschlüssen, Zusammenlegen von Haltestellen) ganz überwiegend im Straßenbahnnetz insgesamt 41 Millionen Fahrten verloren; zwischen 26 und 27 Mio. € Erlöse aus Fahrscheinverkauf sind deswegen nicht in den Kassen der WSB gelandet. Eingespart wurde mit den Kürzungen dagegen herzlich wenig, denn über 85% der Gesamtkosten eines Straßenbahnbetriebs fallen für den Unterhalt der Gleisanlagen an, egal, wie viele Bahnen dort fahren. Wenn eine Straßenbahn steht anstatt zu fahren, ist außer etwas Strom nichts gespart – die Wagen sind weiterhin da, aber sie können keine Einnahmen mehr produzieren. Sie kosten nur noch Geld. Freiburg hat dagegen seine Straßenbahn zielstrebig ausgebaut und kann daher seit Langem jährlich immer neue Fahrgastzuwächse verzeichnen.

Mit dem Rotstift in der Hand kann man keine Straßenbahn betreiben; einen Straßenbahnbetrieb wirtschaftlich zu führen gelingt immer nur, indem man durch gute Angebote so viele Fahrgäste wie möglich gewinnt, die die Kassen durch den Kauf von Fahrscheinen füllen. Straßenbahnen müssen fahren, fahren, fahren – nur dann können sie wirtschaftlich funktionieren. Es hat keinen Sinn, mit einem „Würzburger Sonderweg“ etwas zu versuchen, was bis heute noch niemand auf der Welt geschafft hat.

Defizitkurven

Während Würzburg ohne Investitionen trotzdem sein Defizit nicht in den Griff bekommt, hat Freiburg das mit kräftigen Investitionen geschafft: hier zeigt der Langzeittrend klar, dass das Defizit im Jahresschnitt gesunken, in Würzburg aber stetig gestiegen ist. In Freiburg ist der typische Wechsel von steigendem und sinkenden Defizit zu erkennen, der durch die Abfinanzierung der Investitionen einerseits und durch den Nutzen, den die bezahlten Investitionen dann entfalten andererseits bedingt ist. In Würzburg wird dagegen Schaden erzeugt, denn zukunftssichernde Investitionen gibt es seit 20 Jahren nicht mehr.

Wir haben nur eine Wahl: Entweder immer mehr Geld ausgeben, um das steigende Defizit der WSB zu finanzieren und dabei trotzdem immer mehr Fahrgäste und Einnahmen zu verlieren – zum Fenster hinaus geworfenes Geld ohne Nutzen: der „Abwärtsstrudel“. Oder wir geben das Geld lieber dafür aus, Investitionen zu finanzieren, mit denen es in der Zukunft wieder besser wird. Dann bekommen wir auch wieder mehr Fahrgäste, mehr Einnahmen aus Fahrscheinverkauf und weniger Defizit, mehr Geld für Investitionen im städtischen Haushalt: die „Aufwärtsspirale“. Es gibt keinen Mittelweg, nur diese beiden Alternativen.

Allein wegen der Angebotskürzungen ist das Defizit der WSB seit 2000 jährlich um ca. 2,2 Mio. € höher ausgefallen. Das Sparen hat deutlich mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht. Hätte Würzburg nicht seine Angebote, vor Allem bei der Straßenbahn, seit 2000 so massiv verschlechtert und ausgedünnt, dann wäre die WVV jetzt kein Kostgänger des städtischen Haushalts, sondern hätte bei über 2 Mio. geringerem WSB-Defizit einem Gewinn in Höhe von 1,5 Mio. € ausweisen können.

Ist die Lage in anderen Straßenbahnstädten besser? Ja, deutlich besser, und das bundesweit – Beispiel Kassel: In Kassel stand die Straßenbahn vor drei Jahrzehnten vor dem „Aus“, weil über Jahrzehnte keine Investitionen in neue Strecken und Fahrzeuge getätigt worden waren; dadurch war das Defizit auf unvorstellbare 60 Mio. DM angewachsen – eine Situation genau wie in Würzburg heute. Vor dem Hintergrund dieser Situation wurde der Verkehrsbetrieb einer „Rosskur“ unterzogen – es wurden rund 30 km Straßenbahnstrecke neu gebaut und der Wagenpark erneuert. Damit hat Kassel sein Defizit um die Hälfte auf heute 17 Mio. € gedrückt – soviel wie Würzburg, aber bei doppelt so hoher Einwohnerzahl und einem dreimal so langen Straßenbahnnetz. Bei guten Angeboten steigen die Fahrgastzahlen und damit die Einnahmen immer und überall stark an – Beispiel Straßburg: Die Straßburger Straßenbahn erreicht im Betrieb eine Kostendeckung von 120%; damit verdient sie einen anständigen Teil der Unterhaltskosten für das Gleisnetz selbst und entlastet die Kommune.

Wer über die Grenzen der WVV hinaus denkt wird rasch erhebliche Einsparmöglichkeiten durch ein gutes Straßenbahnangebot auch für die Stadt Würzburg entdecken: In den Freiburger Straßenbahnen sitzen bei jeder Fahrt rund 50 Menschen, die für diese Fahrt ihren PKW freiwillig in der Garage stehen lassen. Damit werden stadtweit ca.16.000 PKW-Fahrten vermieden – täglich! Bei Einsatz von Bussen wäre mit maximal 4.000 eingesparten PKW-Fahrten zu rechnen. Genau so könnte es in Würzburg auch sein, und genauso ist es heute schon bei der Heuchelhofstrecke.

Wir haben die Wahl: steigende Fehlbeträge der WSB, die die WVV nicht mehr abdecken kann, verringern 1:1 den Spielraum des städtischen Haushalts für Investitionen. Es gibt nur einen Ausweg: schieben wir jetzt die notwendigen Investitionen an, mit deren Hilfe sich die WSB selbst aus dem Dilemma befreien und zu einem dauerhaft geringeren Defizit kommen kann. So, wie das viele andere Städte in Deutschland erfolgreich vorgemacht haben. Ohne Investitionen und Angebotsverbesserungen wird das nie gelingen; dass es mit Angebotsverbesserungen in Würzburg genauso klappt wie in anderen Städten auch zeigt die überaus erfreuliche erste Fahrgastzählung beim neuen Nachtbusverkehr, den schon ab dem ersten Betriebstag jedes Wochenende über 1.200 Fahrgäste nutzen.

Fahrtzweck im SPNV (Quelle_BEG)

(Quelle: Bayerische Eisenbahngesellschaft, BEG)

Wenn der Ausbildungsverkehr zurückgeht wäre es der falsche Weg, dies kommentarlos einfach hinzunehmen. Vielmehr muss dann mit Marketingmaßnahmen und einer passenden Neuaufstellung des Angebots -so wie beim Nachtbus richtig geschehen- der Tatsache Rechnung getragen werden, dass längst nicht mehr Schüler und Berufspendler dominieren, sondern Ausflügler, Einkäufer und Nachtschwärmer. Was die Bayerische Eisenbahngesellschaft BEG für den Eisenbahnverkehr in Bayern nachgewiesen hat gilt etwas abgeschwächt auch für unsere Straßenbahnen und Busse. In den Freizeitaktivitäten (einschließlich Einkaufen) liegt der große Markt, den die WSB aktiv angehen muss, dort kann sie die Einnahmen erzielen, die es bei Schülern und Berufspendlern immer weniger zu holen gibt.

Um den Abwärtsstrudel der WSB aufzuhalten und umzukehren ist rasch ein grundlegendes Umdenken erforderlich; ohne weitere Zeit zu verlieren muss nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens unverzüglich die Realisierung der Linie 6 angegangen werden; ohne diese mit weitem Abstand wichtigste Investition ist eine wirtschaftliche Sanierung der WSB nicht denkbar. Wir sind daher Herrn Geschäftsführer WVV Thomas Schäfer sehr dankbar dafür, dass er sich in diesem Sinne mit den Worten „Wir brauchen diese Linie“ (BR-Fernsehen, Frankenschau 03.05.2016) klar zum Bau der Linie 6 bekannt hat.